Militärflugplatz Nidda-Harb
Während des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) befand sich auf dem heutigen Gebiet des Ortsteils Nidda-Harb ein bedeutender Militärflugplatz der deutschen Luftwaffe. In einem angrenzenden Waldstück entstanden verschiedene Gebäude und Einrichtungen, darunter ein Kasino, die Kommandantur und ein Krankenrevier. Die Kommandantur wurde später in das Gebäude des Kasinos verlegt.
Nach Kriegsende wurde das ehemalige Flugplatzgelände zivil genutzt und überwiegend von Heimatvertriebenen besiedelt. Aus dieser Ansiedlung entwickelte sich der heutige Ortsteil Nidda-Harb.
Kerle’s Parkhotel
Nach dem Krieg wurde das ehemalige Kasinogebäude von der Familie Kerle als „Kerle’s Parkhotel“ betrieben. Das Hotel verfügte über großzügige Räumlichkeiten und eine weitläufige Außenanlage.
Ab dem 1. Juni 1977 übernahm die Kinderförderungsgesellschaft das Gebäude – es entstand das heutige Kinderheim.
Der Mietvertrag
Das Ehepaar Kerle sowie die drei engagierten jungen Männer Eberhard Riehm (Psychologe), Hans-Dieter Stäblein (Sozialpädagoge) und Hermann Dilling (Kaufmann) unterzeichneten einen Mietvertrag für das ehemalige „Kerle’s Parkhotel“ in Nidda-Harb. Er umfasste sämtliche Räumlichkeiten, die Außenanlagen sowie einen separaten Gebäudeteil.
Ziel war es, das ehemalige Parkhotel zu einem Heim für Kinder mit Behinderungen umzubauen und dort eine entsprechende Betreuungseinrichtung aufzubauen.
Gründung der Kinderförderungsgesellschaft
Die Einrichtung entstand vor dem Hintergrund der Veränderungen in der Versorgung geistig behinderter und psychisch kranker Menschen in den 70er-Jahren. Nach dem Aufbau einer flächendeckenden stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung in Hessen mussten viele Kinder mit Behinderungen betreut werden, die keine akute fachmedizinische Behandlung im stationären Rahmen benötigten.
Maßgeblich an der Gründung wirkten der überörtliche Träger der Sozialhilfe (Landeswohlfahrtsverband Hessen) sowie das Landesjugendamt Hessen als Heimaufsicht mit. Sponsoren spielten eine wichtige finanzielle Rolle.
Die ersten Kinder ziehen ein
Im Juni 1977 wurden die ersten vier Kinder aufgenommen, zwei Wochen später kamen weitere hinzu. In dieser Zeit wurde auch die erste Erzieherin, Frau Rinske van Ruiten, eingestellt.
Die ersten drei Gruppen
Die ersten drei Gruppen (Gruppe 1, 2 und 3) im langen Flügel des Gebäudes wurden mit 11 Kindern und entsprechendem Personal belegt. Für Bewegung und Aktivität sorgte die erste Gymnastiklehrerin, Eva-Maria Hummelt.
32 Kinder und ein starkes Netzwerk
Bis Ende November 1977 wurden bereits 32 Kinder aufgenommen. In den ersten drei Jahren arbeiteten die Gründer Tag und Nacht, ohne freie Tage oder Urlaub. Sie kochten für die Kinder, betreuten sie und erledigten handwerkliche Arbeiten.
Weiterlesen
Die ärztliche Anbindung erfolgte über den Hausarzt Dr. Bürger in Ulfa. Neben den niedergelassenen Fachmedizinern aller Disziplinen kooperiert die Einrichtung eng mit dem Zentrum für Pädiatrie (Schwerpunkt Neuropädiatrie) des Klinikums der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie der Pädiatrie der Philipps-Universität Marburg (Schwerpunkt Neuropsychiatrie). Vor allem im Zusammenhang mit der Aufnahme von Kindern bestehen außerdem enge Kontakte zu den stationären Bereichen der Hessischen Kliniken für Psychiatrie und Therapie des Kinder- und Jugendalters.
Die schulische Betreuung wurde durch die Zusammenarbeit mit mehreren Schulen sichergestellt: der Sonderschule für Lernhilfe in Nidda, der Sonderschule für Praktisch Bildbare „Hammerwaldschule“ in Hirzenhain, der Schule für Gehörlose in Friedberg und der Schule für Blinde in Friedberg-Dorheim.
Therapeutische Angebote werden, wo immer möglich, außerhalb der Einrichtung genutzt – zum Beispiel die umfangreichen Möglichkeiten des Heilbades Bad Salzhausen.
Erzieher, Berufskinderpfleger und Heilerzieher waren damals kaum zu finden. Viele Lehrer wollten sich zu dieser Zeit beruflich in den pädagogischen Bereich umorientieren. Den Mitarbeitenden wurden zahlreiche interne Fortbildungen angeboten.
Die erste Umbaumaßnahme
Ende 1977 begann die erste Umbaumaßnahme. In den Obergeschossen entstanden großzügige Gruppenräume für alle Gruppen, im hinteren Teil die heutige Gruppe 5. Ein nach dem Zweiten Weltkrieg zerstörter Gebäudeteil wurde zur Turnhalle umgebaut.
Die erste Ferienfreizeit
Im Sommer 1978 unternahmen die Kinder ihre erste Ferienfreizeit nach Ahaus-Alstätte. Seitdem fährt jede Gruppe einmal im Jahr gemeinsam in die Ferienfreizeit.
Gruppe 5 öffnet
Mit der Eröffnung der 5. Gruppe stieg die Zahl der Plätze von 32 auf 40. Außerdem wurden die große Küche renoviert und die oberen Gruppenräume weiter ausgebaut.
Das Weihnachtsmärchen
1996 begann eine schöne Tradition: Als besonderes Weihnachtsgeschenk führen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedes Jahr ein Weihnachtsmärchen für die Kinder und Jugendlichen auf. Auswahl des Märchens, Choreografie und Regie liegen in den Händen von Frau Evi Höpfner.
Die zweite große Umbaumaßnahme
1999 begann die zweite große Umbaumaßnahme. In jedem Gebäudeflügel wurde ein Aufzug eingebaut. Gruppe 4 erhielt einen Anbau, der als Flur zur Turnhalle und zu Gruppe 5 dient. Seitdem können sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Gruppen 1 bis 5 bei schlechtem Wetter in den großzügigen Fluren zu gemeinsamen Spielen treffen.
Die dritte Umbaumaßnahme
Der dritte Bauabschnitt betraf vor allem Hauswirtschaft und Verwaltung. Neben dem Umbau von Küche und Waschküche entstanden im neuen Gebäude großzügige Büros. Die neuen Besprechungs-, Therapie- und Allzweckräume werden vielfältig genutzt.
Neue Eigentümerstruktur
Änderung der Eigentümerstruktur (DPWV und Jugendhilfe Nidda e. V.) und Wechsel der Geschäftsführung.




























